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Der als unmöglich erdachte Umzug

Hmhmhmhm...Gott ist das staubig hier...und wer hat denn überhaupt das Licht brennen lassen?! Was? Ihr seid noch hier? Warum treibt Ihr Euch denn hier noch herum, um himmels Willen?! Dabei weiß doch nun wirklich fast JEDER, dass mein Blog mittlerweile umgezogen ist. Also bitte!

Und Warum das Ganze? Nun, das hat einige Gründe, ist im Prinzip aber auch vollkommen egal. Der desaströse Blog lebt nun auf wordpress weiter und füllt sich langsam aber sicher mit Leben. Alles unter dem Motto: identische, miserable Qualität, ziemlich eigener Humor aber diesmal immerhin ohne charmanten Fehlerteufel im Namen.

Kurzum: Es würde mich wirklich außerordentliche freuen, den ein oder anderen Leser in meiner neuen Heimat begrüßen zu dürfen.

Entscheidet Euch schnell, denn hier gehen bald die Lichter vollens aus.

 

 

19.7.11 21:19


Kleine Deals unter Schulhofkindern

Murmeln werden unterschätzt. Erst heute hielt ich eine angeregte Diskussion mit einem Arbeitskollegen über den äußerst tragischen Werdegang dieser ehemals so knallharten Schulhofswährung. Was wurde mit den Dingern früher nicht alles getauscht, gefeilscht, gesammelt und manchmal sogar tatsächlich auch gespielt. Egal wie schachköpfig man auch war, mit dem nötigen Murmelreichtum war man jemand. Basta.

Natürlich kam es dabei nicht auf die bloße Anzahl an, sondern der Wert wurde selbstverständlich auch nach Art und Typus bemessen. Schnöde Glasmurmeln? Waren bestenfalls für eine imaginäre Wert-Einheit gut. Weiße Milchmurmeln waren - je nach Muster und Beschaffenheit - dagegen für mindestens fünf, ja wenn nicht sogar acht bis zehn Einheiten gut. Und die Kronjuwelen stellten selbstverständlich die in sämtlichen Spektren des Regenbogen glänzenden Öl-Murmeln dar. Je nach Größe konnten diese Werte natürlich variieren.

Im Murmel-Wahn hat sich damals so mancher Grundschulknirps bis über beide Ohren in Tauschhandel verstrickt. Um an die Objekte der Begierde zu kommen wurde da auch schon mal das ein oder andere Fahrrad oder auch optional die kleine Schwester eingetauscht.

Geärgert wurde sich dann spätestens zu dem Zeitpunkt, an dem der große Knall kam. Denn genauso wie der Murmelwahn Einzug auf jedem Schulhof hielt, verschwand er irgendwann auch wieder. Binnen weniger Tage setzte dann eine Mega-Murmel-Inflation ein, in der jeder versuchte seine Schäfchen ins Trockene zu bringen und vorzugsweise dem nächstbesten Klassentrottel alles unterzujubeln. Was blieb waren zerstörte Kinderträume, Gewinner, Verlierer und eine zerplatzte Seifenblase. Eigentlich keine andere Mechanik als im Spiel des Lebens der Erwachsenen. Ziemlich bemerkenswert.

Ich finde es wird höchste Zeit mal wieder einem gepflegten Kindheits-Murmel-Wahn zu verfallen. Biete vier Glasmurmeln, zwei Milchmurmeln mit nahezug perfekter Maserung gegen schöne große Ölmurmel - wer schlägt ein?

8.3.11 20:21


Verschlimmbesserung, Verbessschlimmerung?

Manche lieben sie, manche hassen sie und manch Einem gehen sie schlicht und ergreifend am Allerwertesten vorbei. Obwohl, wenn man das Ganze nüchtern betrachtet, gehen sie wahrscheinlich dem Gros der Menschheit am kollektiven Hinterteil vorbei. Das liegt aber auch hauptsächlich daran, dass sie keine Massentauglichkeit unter Beweis stellen müssen oder gar wollen, sondern sich mehr als Ausdruck der Individualität verstehen. Ein Szene-Ding eben. Und als solches kann die gute alte "Remix"-Platte mittlerweile auf mehrere Jahrzehnte Erfolgshistorie zurückblicken, in denen sie unter anderem als Lebenstropf für Disco, Hip Hop und Dance diente.

Heutzutage findet sich der Remix meistens als nettes Beiwerk auf irgendeiner B-Seite wieder und versinkt in neun von zehn Fällen sowieso in der Bedeutungslosigkeit. Häufig auch von mir als Verschlimmbesserung abgetan, gibt es wenige Remix-Stücke oder gar ganze Alben, die mich bisher wirklich begeistern konnten. Aber ab und an sticht eben doch ein wahres Juwel aus dem Mischmasch-Misthaufen hervor, der es wert ist, nähere Betrachtung zu finden. Und erst kürzlich flatterte ein solches Paradebeispiel an Kostbarkeit herein, das aufgrund seiner Qualität und Finesse schlicht und ergreifend das Potenzial hat, mehr als nur ein Geheimtipp zu sein.

Kein geringerer als der sanftmütige, überbärtige Singer-Songwriter William Fitzsimmons hat sich just die Ehre gegeben und ein Remix-Album herausgebracht. Doch wer jetzt denkt, dass es sich hierbei um bessere B-Seiten handelt, die mit ein paar Akustikversionen, Rough Mixes oder Liveauftritten samt orchestraler Unterstützung daherkommen, der hat sich gewaltig getäuscht. Denn der US-Amerikaner, der ansonsten eher die leisen Töne anschlägt, beweist auf dem Remix-Bastard "Derivatives" nicht nur Humor, nein, er gibt auch gänzlich zerlegte Versionen seiner Originale zum Besten.

Natürlich gibt es auch auf diesem Tonträger die gewohnte Fitzsimmon'sche Kost. Repräsentativ dafür ist neben "So This Is Goodybe" (als netter, jedoch unspektakulärer Ohrschmeichler) auch die Schulorchester-Neuauflage von "You Still Hurt Me". Doch das war es dann auch schon mit dem Gewohnten.  Denn auf der Haben-Seite der Überraschungen kann der Songwriter neben der Coverversion des Katy Perry-Songs "I Kissed A Girl" noch satte vier weitere außergewöhnliche Remixe altbekannten Liedguts für sich verbuchen. Insbesondere sind hier die Pink Ganter-Remixe "So This Is Goodbye" und "Goodmorning" zu nennen, die auf vorgeebneten, musikalischen Bahnen wandeln und  mit leichten, überraschenden Twists aus artigen und filigranen Popsongs kleine Dance- und Lounge-Nummern zaubern. 

Den eigentlichen Höhepunkt findet der geneigte Hörer jedoch im Mikroboy-Remix von "If You Would Come Back Home". Denn während bei Pink Ganter die Tracks die musikalische Realität eines William Fitzsimmons noch respektieren und nur leicht verbiegen, sprengt Mikroboy sämtliche Schranken, zerschmettert die Welt des Künstlers und setzt die Trümmer zu etwas gänzlich Neuem zusammen. Das Resultat ist die Auferstehung eines elektronischen Meisterwerks, geboren aus einem Pop-Scherbenhaufen. Eine elektrisierende und mitreißende Schönheit, die nicht nur eine prickelnde Gänsehaut, sondern auch das dringende Bedürfnis nach rythmischer Bewegung auslöst.

 

Mit "Derivatives" hat der werte Herr Fitzsimmons ganz eindeutig eine neue Kostbarkeit in seinem musikalischen Repertoire, die sich nicht nur dadurch auszeichnet, das bereits Vorhandene zu verbessern, sondern die leisen Klänge in ihren Grundfesten zu erschüttern, auseinanderzunehmen und so ein Werk zu schaffen, dass den sensiblen Amerikaner in gänzlich neue Dimensionen katapultiert. Ein Geniestreich, der durch seine Andersartigkeit die Massen begeistern wird.

3.11.10 21:42


Das falsche Commerzbankhörnchen

Ich arbeite momentan viel, vielleicht auch ein wenig am Limit. Jedenfalls überdrehe ich leicht und in schöner Regelmäßigkeit, wenn ich einigermaßen pünktlich das Büro verlassen möchte. Aus heiterem Himmel prasseln Anfragen und Aufträge auf mich ein, ohne dass ich dafür einen Finger krumm, allerdings mich dagegen ziemlich lang machen muss, um meinen Bereich ordentlich am Laufen zu halten. Das hat zur Folge, dass mein Schreibtisch ziemlich an ein Papier-Schlepperzug-Unglück erinnert und meine Tastatur mittlerweile sehr gut wissen müsste, wie sich die chilenischen Bergarbeiter gefühlt haben. Kurzum, Arbeit ist stressig. Aber so stressig, dass man zum Feierabend vor dem Büro von einem menschengroßen Eichhörnchen mit den Worten "schönen Feierabend" begrüßt wird, doch auch nun wieder nicht. Aber genau das ist heute passiert.

Während ich gedankenversunken die Treppen des Büros herunter stiefelte und die Geister der Arbeit mir noch wie Nebelschwaden nachhingen, blickte ich plötzlich in das grinsende Gesicht eines überdimensionierten Eichhörnchens. Mitten aus der grauen, verregneten Realität eines Herbstabends ragt da einfach so ein Grinse-Eichhorn in Menschengröße und das keine zwei Meter von mir entfernt. Mein Seelenleben wurde in diesem Augenblick selbstverständlich total auf den Kopf gestellt, was man wohl auch meinem Gesicht angesehen haben musste. Denn plötzlich wünschte es mir doch tatsächlich auch noch den eben besagten "schönen Feierabend".

Gottverdammt nochmal, was soll denn sowas? Mitten in totaler und vollkommener Realität kommt so eine zum Leben erweckte Phantasterei auf einen zu. Komplett unangekündigt quetschte sich da die Surrealität des Moments ähnlich penetrant wie das quietschebunte Grinsen des Eichhorn-Kostüms in meine Welt. Natürlich war es eine Kostümierung, aber eine verteufelt Gute. Das Ganze erinnerte mich spontan an den Witz, bei dem das Obi-Hörnchen in einem Restaurant sitzt und gefragt wird, ob es nicht der Dentagard-Biber sei. Ich musste Grinsen, sehr sogar.

Und wer sich sowas überhaupt ausdenkt? Einen halben Meter unterhalb des Quietschegrinsen wurde es enthüllt, der Mann im Eichhorn-Kostüm war ... das Commerzbankhörnchen! Wer hätte das gedacht, ein Bankenbiber, ha! Da dachte ich, ich hätte schon alles gesehen und dann sowas! 

Wie man sich sicherlich vorstellen kann, war der bisherige Abend für mich mehr als gelaufen, denn die gesamte Heimfahrt dachte ich darüber nach, warum man als Eichhörnchen eine Bank bewirbt und vor allem, was die Botschaft dahinter überhaupt sein soll. Wobei sich als Antwort auf diese Frage ganz eindeutig zwei Slogans bei mir durchsetzen konnten:

1. Commerzbank - Wir wissen, wo Ihre Nüsse sind!

2. Wer vertraut schon kalten und anonymen Anzugträgern? Vertrauen sie lieber den freundlichen Commerzbankhörnchen!

Persönlich denke ich ja, dass erstere Variante ein wenig zu aggressiv für den 0815-Kunden daher kommen und bei den meisten daher sicherlich für Unbehagen sorgen würde (wobei sich risikofreudige Broker natürlich angesprochen fühlen könnten). Meiner zweiten Version würde ich jedoch durchaus Potenzial zusprechen. Wenn ich zwischen einer Bank, in der normale Anzugträger arbeiten, oder einer Bank, in der Alle gezwungen wären in einem Eichhörnchenkostüm zu arbeiten, wählen müsste, wäre meine Entscheidung ziemlich eindeutig. Zumindest würde ich ganz klar meinen Anlageberater sypathischer finden, wenn er ein Eichhörnchen wäre oder so tun würde ... ich wäre dann auch eher bereit in Nussprodukte oder zumindest in Aktien von nussverarbeitenden Unternehmen zu investieren.

Zwei Stunden später weiß ich mittlerweile, dass das Commerzbankhörnchen eigentlich gar kein Eichhörnchen, sondern ein Goldhamster ist. Goldi Goldhamster, wie mich Wikipedia aktuell aufklären konnte. Wie einfallsreich! Ich bin jetzt jedenfalls meiner Träumerei beraubt, aber dafür um die Erfahrung reicher, dass es bei Wikipedia eine umfangreiche Auflistung fiktionaler Tiere gibt, in der u.a. auch Größen wie "Piefke" (Dackel aus Erich Kästners Kinderroman "Pünktchen und Anton" ) aufgereiht sind. War der Abend also doch nicht ganz umsonst. Na immerhin!

28.10.10 20:17


Seifenblasen des Todes

Okay, ich bin ein sehr materiell fixierter Mensch. Ich gebe das unumwunden zu und ein nicht unbedeutender Teil von mir liebt es, Gegenstände verschiedenster Art anzuhäufen. Nein ich bin kein fanatischer Status-Symboliker, der seinen Allerwertesten aus den Lederbezügen des neuen Audi Sport Coupés schält, seinen Hugo Boss-Anzug glattstreift und dabei sein neues Iphone zückt, während er eben noch gerade so der Gucci-Sonnenbrille einen finalen Stups verpasst. Es geht hier vielmehr um die kleinen Dinge des Lebens - Unnütze Dinge, Nippes, Tand. All das, was es mir einfacher macht, Erinnerungen zu behalten oder in kleine Tagträumereien zu verfallen. Ich mag es, Dingen Namen zu geben, darüber zu sinnieren wie wohl das Leben als - beispielsweise - Tennisball oder Bügelbrett wohl so wäre und was man dann alles so anstellen könnte. Ich praktiziere quasi so etwas wie materialistischen Dadaismus um mir die Zeit zu vertreiben. Und insbesondere meine beiden neuesten Errungenschaften beschäftigen mich momentan doch ziemlich stark.

Da wäre zum einen mein Winnie-the-Pooh-Seifenblasen-Pustefix mit extra Ball-Geduldsspiel auf dem Deckel. Abgegriffen bei der letzten Party und nun quasi täglich im Gebrauch. Zum einen aus Gründen der privaten Belustigung und zum anderen da es äußerst beruhigend, ja fast schon meditativ, ist. Ich denke, dass Seifenblasen von Erwachsenen im Allgemeinen einfach unterschätzt werden. Man hat ja auch wenig Zeit, sich dem Lustspiel zwischen Kohlendioxyd und Seifenlauge längerfristig hinzugeben. Der Alltag besteht aus Stress, Hektik und Schnelllebigkeit. Ein ziemlich unwirtlicher Ort für so etwas Fragiles wie eine Seifenblase, wenn ihr mich fragt. Umso wichtiger ist es, sich auch für so kleine Dinge Zeit zu nehmen und den Rest der Menschheit in den Blubberblasen-Wahnsinn zu treiben.

Die zweite nennenswerte Errungenschaft stellt ein kleiner magenta-farbener Wasserkocher dar, den ich von einer Toten bekommen habe. Dem interessierten Leser werden jetzt sicherlich zwei Dinge auffallen, die hier gründlich falsch gelaufen sind. Zum ersten ist er magenta-farben und zum zweiten stammt er -richtig - von einer verstorbenen Frau.

Nun ist eigentlich ersteres lediglich ein Problem persönlicher Farb-Präferenzen und schlimmstenfalls als Affront gegen mein Stilbewusstsein zu werten. Die Herkunft allerdings ist selbst für mich ein wenig zu verrückt. Urplötzlich wurde mir da ein Küchenutensil aus der Haushaltsauflösung einer toten, mir gänzlich unbekannten Frau in meine heiligen vier Wände gestellt. Meine Frage bezüglich eines Vetorechts oder gar einer Sperrminorität wurde zu Beginn nur müde belächelt und später gänzlich ignoriert. Und nun thront ein Plastik-Monolith auf meiner Küchenzeile, der die Farbenpracht eines großen Telekommunikationskonzerns trägt und sich als einziges Einrichtungsstück in meiner Wohnung gegen meinen Willen etabliert hat. Wenn man zu viel darüber nachdenkt, erscheint es wirklich ein wenig gruselig. Doch momentan folge ich sogar dem Ruf aus dem Grab und trinke regelmäßig Tee, obwohl ich mich ja eigentlich dem Kaffee verschrieben habe. Ob mir der Wasserkocher seinen Willen aufzwingt? Möglich, aber wenigstens kann mir keiner vorwerfen, dass ich mich wie ein pietätloses Arschloch aufführen würde. So.

Wie dem auch sei, sollte mich jemand in den nächsten Tagen suchen, renne ich entweder wie ein aufgedrehtes Kleinkind umher und versprühe gerade Seifenblasen oder aber ich befinde mich mit einer Tasse Tee in meinem Denkersessel und spreize den kleinen Finger ab, während ich über Gott und die Welt sinniere. Natürlich wäre es auch möglich, dass mich der Wasserkocher nachts entführt, bei lebendigem Leib begräbt und im Anschluss mit meinen Seifenblasen durchbrennt. Wer weiß das schon?!

7.9.10 15:29


Querdenkende Arschkrampen - oder auch: die Entdeckung des Jahres

Als wäre es nicht schon genug, dass man sich permanent mit nervtötenden Menschen im Leben herumschlagen muss, nein, momentan darf man das Ganze auch noch vor unglaublich trister, endlos grau anmutender Kulisse tun. Die Monotonie menschlicher Interaktionen vermischt sich mit Wolkenwand und Nieselwetter zu einem faden Einheitsbrei, der irgendwo bei 20°C rumdümpelt und eigentlich nur eines aussagen möchte: Es ist Arschkrampen-Zeit!

Und das alles wäre eigentlich nur sehr schwer auszuhalten, wenn da nicht gerade die musikalische Entdeckung des Jahres - zumindest aus deutscher Sicht - in meinen Mikrokosmos hinein geflattert wäre. Es handelt sich um ein Quartett junger Burschen, die irgendwo aus dem Nirgendwo stammen und es sich mit ihrer Musik ganz eindeutig zur Aufgabe gemacht haben, der Monotonie in jeglicher Hinsicht den Kampf anzusagen. Dabei bedarf es dann auch nicht viel mehr als drei einfacher Worte, um sich selbst zu bennen und zugleich die Programmatik ihres Schaffens kurz und knackig darzulegen. Werte Herrschaften, gestatten: beat!beat!beat! betreten das Licht der Bühne und werfen schon mit ihrer ersten EP "Stars" verdammt große Schatten.

Geboren aus dem Wunsch, all das miteinander musikalisch zu vereinen, was die vier Jungs an ihren Lieblingsbands so schätzen, entstand ein musikalischer Mix, der  jede noch so geräumige Musikschublade sprengt. Um die werte Hörerschaft dann doch nicht ganz zu verwirren, geben sie dem Kind gnädiger Weise selbst einen Namen und siedeln ihre Musik irgendwo zwischen Shoe Gaze, Minimal Pop und Ambient an. Zweifel, ob das Ganze musikalisch überhaupt zueinander finden kann, sind dabei sicherlich berechtigt, von der Band selbst geäußert, jedoch vollkommen überflüssig. Denn was diese jungen Wilden aus den unterschiedlichsten Genres zusammen gemixt haben, lässt sich auf einen größeren Nenner bringen, der das Ganze dann doch wie aus einem Guss daher kommen lässt. Es handelt sich um enthusiastische Musik, die Spaß macht und Lust auf mehr bereitet. So einfach ist das.

Stromlinienförmig schlängelt sich die EP "Stars" in die Gehörgänge des geneigten Publikums, ohne dabei an Wiederhörvergnügen zu verlieren. Das ist gar nicht verwunderlich, denn das kleine Meisterwerk stellt eine symbiotische Mischung dar, die irgendwo zwischen den Foals, The Whitest Boy Alive und Fotos gelandet ist. Und so brisant das Ganze klingen mag, es kommt weder sperrig noch zu aufgekratzt oder einschläfernd daher. Kurzum, beat!beat!beat! haben mit ihrer Erstlings-EP geschafft, wovon viele Musiker träumen. Innerhalb von fünf Tracks bringen sie es fertig, die Genreschranken zu sprengen, durch einen Mixer zu jagen und dabei ihren eigenen wilden Stil-Cocktail zu kreieren, der nach Sehnsucht und Tatendrang schmeckt.

Als Kostprobe habe ich selbstverständlich einen kleinen Leckerbissen mit im Gepäck, bei dem es sich um den Opener "Stars" handelt und durchaus noch als ruhigerer Vertreter des Mini-Albums bezeichnen darf.

Aufgepasst, denn wir haben es hier vielleicht mit nichts Geringerem, als der Rettung der deutschen Musikszene, in jedem Fall aber mit einem wunderbaren Gegenmittel für Arschkrampen-Tage zu tun.

17.8.10 20:57


Der Erste im Rattenrennen

Ich schiebe das Schreiben - und insbesondere dieses Thema - schon lange vor mir her. Teils einem permanenten Zeitmangel, teils der Tatsache geschuldet, dass es mich in Gedankengefilde bringt, die ich eigentlich ruhen lassen möchte. Aber das Studium ist nun beendet und es wird höchste Zeit einmal zurückzublicken, auch wenn es bedeutet, die eine oder andere Leiche im Keller zu streifen.

Vor gut zwei Wochen war es endlich soweit, die Zeugnisübergabe als finales Spektakel eines gut 30-monatigen Arbeitsmarathons. Hitzegeflimmer, feine Anzüge und die obligatorischen Papptellerchen und Sektgläschen vom Buffet beherrschten die Szene. Stilvoll umgarnt wurde die Veranstaltung dabei durch den unbestreitbaren malerischen Hintergrund des Schlosses samt erblühender Parkanlage. Alles in allem eine schmucke kleine Verabschiedung und ein Grund zur guten Laune für alle Beteiligten. Und ja, auch ich war guter Dinge, insbesondere durch den Abschluss als Zweitbester meines Studiengangs, den ich in Begleitung von A (der schönsten Frau des Tages) ziemlich stolz in Empfang nahm.

Szenenwechsel. Nach dreiwöchigem Urlaub, in dem ich die vergangenen Strapazen mehr oder weniger gut abstreifen konnte und wieder in meiner Wohnung ankam, wartete der Arbeitsvertrag meines Ausbildungsunternehmens auf mich. Gute Konditionen, tolles Arbeitsumfeld, kein Traumvertrag aber schon ziemlich solide für einen Berufseinsteiger. Ich unterschrieb. Damit war ich der erste der "Studierenden" einer lang vergangenen Clique junger Träumer, der im Arbeitsleben angekommen war. Der Erste oben auf dem Gipfel.

Fassen wir also kurz zusammen was in den letzten 2 1/2 Jahren geschehen ist: kaufmännische Ausbildung gut abgeschlossen, Studium noch besser absolviert, einen Arbeitsplatz mit tollen Kollegen und dazu einen wirklich guten Freund gefunden. Die Krönung des Ganzen ist jedoch A, mit der ich eine wirkliche Traumfrau in mein Herz schließen durfte. Man könnte sich nun zu der Aussage hinreißen lassen, dass mich Manche als "Gewinner" betrachten.

Gewinner? Falsch, nicht im Geringsten. Das ist nicht mehr als der glückliche Verlauf eines Getriebenen. Einem, der die Flucht nach Vorne antrat, weil er schon früh lernen musste, was es bedeutet, durch nahestende Menschen enttäuscht zu werden. Aber Enttäuschung bedeutet auch gleichzeitig Unzufriedenheit und diese Unzufriedenheit führte schließlich einen 16-jährigen Jungen zu der Erkenntnis, dass er sich einfach nicht mehr enttäuschen lassen würde. Weder von Anderen, noch von sich selbst. Dieses Denken wurde seine Maxime und dieser Junge war der Beginn von mir.

Sicherlich verlief dieser Plan nicht immer gänzlich ohne Rückschläge und einer dieser etwas jüngeren warf mich sogar ziemlich heftig aus der Bahn. Aber ich hielt stetig Kurs, musste Kurs halten. Denn wenn man sich einmal dazu entschließt, Enttäuscheungen nicht mehr hinzunehmen, sortiert man die Menschen, die einem Schmerzen und Ärger bereiten einfach aus. Zack - fauler Ast ab! Keep it small clean and simple, baby!

Dieses Credo mag unfair und vielleicht sogar feige sein, denn es negiert den Anspruch auf eine zweite Chance. Doch es funktioniert - und zwar konsequent gut. Vielleicht bin ich dabei mit einigen Menschen zu hart ins Gericht gegangen, doch diese Härte kam stets mit Freundlichkeit und Respekt einher. Heimlich, still und leise wurden so Störenfriede rausgekehrt. Und manchmal - wenn auch selten - wurden kleine Ausnahmen gemacht. Denn die Angst, den Berg an zurückgelassenen Menschen, alten Freunden, Liebschaften und Bekannten noch größer werden zu lassen, sitzt selbstverständlich stets mit im Nacken.

Ich für meinen Teil verlasse mich jedoch lieber auf meine Stärken und auf die Menschen, die keine zweite Chance benötigen. Das mag manchmal etwas einsam sein, doch es ist mein Weg - und auf diesem finde ich ab und an Mitstreiter, die es wirklich Wert sind innezuhalten und sie auf meine Reise mitzunehmen.

Das alles hört sich ein wenig traurig und vielleicht auch etwas aufgesetzt an. Man könnte Denken, ich beklage mich auf hohem Niveau. Doch das Ganze soll Euch, meinen werten Lesern, nur eines vor Augen führen: Jeder Mensch kämpft mit seinen Dämonen und Diejenigen unter Euch, deren Dämonen besonders große und bösartige Schatten werfen, haben auch gleichzeitig die einmalige Chance, das Beste aus ihrem Leben herauszuholen und die Anderen zu überragen.

Wehe dem, der wütende Menschen zurücklässt, denn es könnte sein, dass sie als Dämonenbezwinger zurückkehren und selbst große weite Schatten werfen.

12.7.10 21:33


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