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Von der spanischen Ode zur gefährlichen Liebschaft

Wenn sich eine Band dazu entscheidet, über waghalsige - und damit gefährliche - Liebschaften zu singen, zu musizieren und dem ganzen Konstrukt Leben einzuhauchen, sollte man die Ohren spitzen und einen Moment verweilen. Wenn diese Band dann auch noch aus Oregon stammt und zufällig auf den Namen "The Decemberists" hören, dann sollte man schon mal den Schlüssel zu seinem Herzen herauskramen und sich darauf vorbereiten, ihnen Tür und Tor zu öffnen. Denn man kann sich nicht gegen sie erwehren, Dezemberisten sind stolz und unbezwingbar, das mussten auch schon die russischen Zaren zu ihrer Zeit schmerzlich erfahren. Und so kann man sich sicher sein, dass sie auch in diesem Falle mit Trotz, Wehmut und erhobenen Hauptes bis in die Thronsäle der Herzen ihrer Fans stürmen werden.

Na gut, wenn man den Pathos an dieser Stelle einmal beiseite wischt und den verklärten Blick ablegt, sollte eigentlich jedem klar sein, dass es sich bei "The Decemberists" nicht um eingebildeten Avantgarde-Rock handelt, sondern sie die Fans seit jeher mit warmherzigen Folk Rock der sympathischsten Art locken. Das ist nicht immer cool, aber dafür um so eingägngiger und liebenswürdiger. Spätestens mit dem grandiosen "O Velancia!" sollten sie im Jahr 2007 selbst dem unterkühltesten Kritiker gezeigt haben, dass man auch mit entwaffnender Schönheit eine Stadt niederbrennen kann. Aber jetzt schreiben wir nicht mehr das Jahr 2007 und das weiß auch das Quintett aus Oregon, denn die Zeiten scheinen sich für sie geändert zu haben. Zumindest, wenn man den Ergüssen ihres neuen Albums "The Hazard Of Love" lauscht.

Wer nicht über den Titel stolpert, tut es spätestens beim ersten öffentlich zugänglichen Track "The Hazard of Love 1". Denn schon in den ersten Momenten bemerkt man einen kalten Hauch, der sich sanft um Colin Meloys Gesang schmiegt und diese Akustiknummer auf das Podium einer kalten Schönheit erhebt. Melancholie tritt an die Stelle der Warmherzigkeit und doch spürt man die Hingabe an allen Ecken und Enden hervorquellen. Hingabe, die selbst die wissende Aussichtslosigkeit des werten Herrn Meloy konterkarieren zu scheint. "The Hazards Of Love/ You will learn soon enough" stellt seine Stimme nüchtern fest, doch sein Herz scheint zu schreien, dass genau hier die Süße des Lebens zu finden sei.

Mit "The Rake's Song" setzen  die Herrschaften dann noch einen drauf und schlagen ungleich härtere Töne an. Spätestens hier wird klar, die verträumten Decemberists der Vergangenheit wurden zu Grabe getragen und an ihre Stelle ist eine kantigere Version getreten, die mit offenen Augen und klarem Verstand einem Witwer bei seinen Schandtaten zusieht. Gleichgültig und kraftvoll zugleich schwingt sich diese Nummer in ungeahnte Sphären  auf, und spätestens mit dem verzweifelnden Aufschrei "Allright, Allright, Allright" wird an einem Thron gewackelt,  auf dem zu früheren Zeiten Placebo residierten.

The Decemberists schaffen es selbst in vollkommener Hoffnungslosigkeit noch ein Quäntchen Zuversicht zu versprühen, auch wenn dieses ungleich schwieriger unter der neuen, kantigen Hülle auszumachen ist. "The Hazards Of Love" wird mit Sicherheit das schroffeste und eigenwilligste Werk des Quintetts aus Oregon werden. Aber ab und an muss eben auch einmal die Liebenswürdigkeit abgelegt und das Lächeln zu einer Fratze des Grauens verzogen werden. So lange sie der musikalischen Pracht dient, soll es uns nur recht sein!

http://www.myspace.com/thedecemberists

1.3.09 21:19
 


bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


RainyGirl / Website (1.3.09 21:33)
definitiv.

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