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Ein Hoch auf die Bequemlichkeit!

Es passiert nicht wirklich oft, dass ich sprachlos bin. Doch neulich hat es tatsächlich eine Person geschafft, mich mit einer Aussage für ein paar Augenblicke vollkommen festzunageln. Notgedrungen musste ich die argumentativen Waffen niederstrecken. Perplex und wahrscheinlich mit offenem Mund stand ich ein wenig belämmert herum und versuchte krampfhaft eine schlagfertige Antwort auf die Aussage, Toleranz sei nur elegante Bequemlichkeit, zu finden.

Ich fand natürlich keine Antwort,  anstelle dessen dachte ich lange darüber nach, denn irgendwas störte mich in an der ganzen Argumentation unheimlich. Die Synapsen wurden auf Hochleistungssinnieren geschraubt und nach mehreren gedankenverlorenen Stunden  bin ich zu einem erfreulichen Ergebnis gekommen. "Toleranz ist elegante Bequemlichkeit" klingt verdammt gut, besitzt aber - aufgrund mangelndem inhaltlichen Gehalts - in etwa so viel Tragfähigkeit, wie der leicht vernebelte Großvater, der auch heute noch felsenfest behauptet, dass die Ausländer einem die Arbeitsplätze wegnehmen. Denn seien wir mal ehrlich, ohne die ganzen "bequemen Arschlöcher" würde unsere Gesellschaft auf sehr wackeligen Beinen stehen. Toleranz ist der Klebstoff, der den Jenga-Turm aus den unterschiedlichsten Idealen zusammen hält und ihn zu einem festen Konstrukt werden lässt. Natürlich ist dieses Bindemittel verdammt unscheinbar, aber ohne die tolerante Gattung Mensch, würden doch unsere werten Idealisten in einem chaotischen Klötzchen-Haufen untergehen. Ihr glaubt mir nicht? Na dann legen wir einfach kurzerhand den großen roten Hebel auf "Null-Toleranz" um und schauen was passiert.

Rentner werden im Schwimmbad kurzerhand harpuniert, wenn sie mal wieder sämtliche Bahnen mit ihrer langsamen, wabernden Schwimmweise blockieren. Weiter geht es in der Fußgängerzone, dort müssen chronische Langsamgänger aufpassen, nicht von schnelleren Passanten im Vorbeigehen enthauptet zu werden. Menschen mit Übergewicht werden zu Wurst verarbeitet, damit sie überhaupt noch von Nutzen sind und die religiösen Vertreter verbreiten ihre Lehre neuerdings mit Panzern und Granaten. Das ist natürlich noch gar nichts gegen die Regierung, die im Zuge der Null-Toleranz-Politik linke und rechte Bewegungen mit Napalm ausräuchert.

Ziemlich anstrengende Vorstellung oder nicht? Also ich für meinen Teil bleibe lieber ein bequemes Arschloch, das auch Morgen wieder der alten Dame beim Einsteigen in den Bus den Vortritt lassen wird.

2.3.09 20:33
 


bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Janea / Website (2.3.09 22:48)
Mein Gott, wir haben doch alle gar nicht genug Zeit um ewig intolerant zu sein. Vielleicht sind wir in dem Sinne faul, aber doch auch ganz sicher schneller, effizienter und wohl auch besser, denn wer dauernd auf seiner Meinung rumreitet, der steht sehr bald sehr alleine da.
Schöner Eintrag, danke dafür.

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