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The West Rider Pauper Lunatic Asylum - Teil I

Der schmale Gang schien nicht enden zu wollen. Zumindest hatte er das Gefühl, während er Schritt für Schritt auf dem Schachbrettmuster des Linoleums zurücklegte. Der kalte Boden wurde durch graue Wände und eine graue Decke eingerahmt, von der Deckenleuchten aus Chrom wie klauenartige Fänge ragten. Keine Fenster, kein Sonnenlicht, keine Pflanzen. Ein toter Raum, der sich irgendwo in der Dunkelheit am kaum abzuschätzenden Ende des Schachbrettmusters verlor. Die einzige Abwechslung boten die gusseisernen und massiv anmutenden Türen der anderen Zellen. Aufgreiht in perfekter Symmetrie und im Abstand von viereinhalb Metern standen sie starr und stumm. Hinter ihnen waren von Zeit zu Zeit schemenhaftes Gebrabbel und tapsende Schritte zu vernehmen. Ohja, er wusste, was sich hinter diesen Türen für Wesen verbargen. Wesen von seiner Sorte. Wesen, die vor der Zeit in ihren Zellen 'Menschen' genannt worden waren. Wesen, die verrückt waren. So verrückt wie er selbst. Ohja, er wusste es nur zu gut.

Hatte er nicht noch vor einer Stunde im Schutz der abgedunkelten Zelle seinem Wärter aufgelauert? Er konnte es nicht sagen, denn diese Erinnerung war rot. Und wäre diese Erinnerung nicht rot, wüsste er vielleicht noch, was in der Zeit passierte, bevor er plötzlich vor seiner offenen Zellentür stand. In der linken Hand mit einem angespitzen Stuhlbein, in der rechten Hand mit einer blutigen Masse.

> I'm the underdog / Live my life on a lullaby <

Einerlei, es kümmerte ihn nicht, denn es war rot und es verblasste mehr und mehr, je weiter er den Gang voran schritt. Außerdem hatte er seine Pflicht zu erfüllen. Und so wunderte es ihn nicht, als seine Füße vor einer bestimmten Tür zu seiner Rechten halt machten. Er blinzelte einen Moment zu dem flackernden Lampenschirm empor, ehe er sich dazu entschloss, den schweren Riegel der Tür mit seiner blutverschmierten Hand beiseite zu schieben, den Hebel zu drehen und die Tür zu öffnen. Sie schwang erstaunlich leicht auf und seine Füße führten ihn hinein. Die Zelle wirkte äußerst friedlich und strahlte eine verblüffende Wärme aus. "Ich habe auf dich gewartet, Sonny."

Er wirbelte herum und sah einen Jungen. Nicht viel älter als 11 oder 12 Jahre. Kann ein Junge schon so verrückt sein, um hier zu landen? Und ehe er den Gedanken zu Ende gebracht hatte, lächelte die kleine Gestalt. Ein Lächeln, bei dem es unmöglich war zu sagen,  ob es sich um naive Freundlichkeit oder verschlagene Boshaftigkeit handelte.

> Never took a punch / in the ribcage sonny? / Never met a soul / who had no shrine <

Und aus den tiefen Sonnys Bewusstseins kämpften sich Worte empor, die sich über seine Lippen in die Weiten des Raumes schlichen. Es war der Vers eines Liedes.

> Where did all the love go? / I don't know / I don't know. <

25.5.09 21:18
 


bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Janea / Website (25.5.09 22:28)
Ohh, Teil I! Das ist gut, das bedeutet es gibt auch auf jeden Fall noch einen Teil II. Sehr spannend. Ein wenig gruselig (und da soll nochmal sagen meine Träume wären abstrus), aber auch sehr gut.

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