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The West Rider Pauper Lunatic Asylum - Teil III

Außer dem leisen Knistern des Radios und gelegentlichen Schnarchern von Hutchinson war es ruhig im Überwachungsraum des Zellentraktes 3. Der in Kollegenkreisen auch als 'Swarfiga'-Trakt, benannt nach einem berühmten Wissenschaftler, bekannt war. Eben jener Wissenschaftler erlangte vor Jahrzehnten Bekanntheit durch Forschungsarbeiten an synthetisch hergestellten Neuropeptiden. Er jagte von einem hochdotierten Preis zum nächsten, ehe er der wahnwitzigen Vorstellung unterlag, er könnte einen Zustand dauerhafter Glückseligkeit in den Menschen erzeugen. Der ultimative Endorphin-Trip als Lösung aller kriegerischen Auseinandersetzungen. Es kam, wie es kommen musste. Dem Erfinder wurde das zweifelhafte Vergnügen zuteil, dass erste Versuchskaninchen zu werden. Zwei Tage nach dem Test und dem Mord an seiner Frau und seinen Kindern später, wurde Dr. Swarfiga im frisch eingeweihten Hochsicherheitstrakt 3 eingeliefert.

Seitdem hatte Hutchinson - dienstältester Wärter der Anstalt - viele verrückte und gefährliche Insassen kommen und gehen sehen. Hinein konnte man leicht gelingen, hinaus ging es entweder nur nach Jahren der Rehabilitation oder in einem Leichensack. Entweder mit gebrochenem Geist oder gebrochenem Rückgrat, so simpel war das. Und so schadete es in den Augen des dienstältesten Wärters auch nicht, wenn er sich ab und an eine kleine Auszeit nahm und die Verrückten verrückt sein ließ. Insbesondere dann nicht, wenn die Jungspunde ihre Wachrunden im Zellentrakt schoben.

Während dieser kleinen Auszeiten konnte es von Zeit zu Zeit vorkommen, dass Geräusche der Außenwelt die stoische Einkehr des Wacheremiten durchdrangen und er sich für kurze Zeit aus dem Schlaf bequemen musste. So sollte es auch dieses Mal sein, denn ein kleines unablässiges Piepen eines Warnsignals ertönte und ließ die müden Augen unter den buschigen Augenbrauen langsam zum Vorschein kommen. Noch nicht ganz Herr über seine Sinne blickte er auf die Uhr, 2:12 Uhr.

Ein rauchiges, "Verdammt, wo steckt der Bengel?", entfleuchte der eingestaubten Kehle. Der Junge hätte schon längst von seiner Runde wieder zurück sein müssen. Er richtete sich auf und begann die Kanäle der Überwachungskameras durchzuschalten. Nichts war zu sehen. Er schaltete auf Automatik um und kurz bevor er sich persönlich aufmachen wollte, glaubte er etwas auf dem Bild von Kamera 45 sehen zu können. Er vergrößerte das Bild und nach drei Sekunden voller ungläubigem Staunens sprang er - so gut es seine alten Knochen eben noch zuließen - auf, lief zum Notfalltelefon und stammelte in den Hörer. "Hallo, hier Hutchinson aus Trakt 3. Wir haben einen 624. Bitte? Ja doch verdammt, einen toten Wärter! Häflting 1314 muss ausgebrochen sein!".

Keine zehn Sekunden später ertönte das Dröhnen der Sirene. In all den Jahren, die der dienstälteste Wärter den Posten schon inne hatte, hatte er das Dröhnen der Sirene nur einmal vernommen. Und es war immer noch so erdrückend und einschüchtern wie damals. Ein kalter Schauer durchlief ihn und legte sich über seine alten Knochen.

3000 Meter vom dienstältesten Wärter entfernt jedoch, wurde einem Mann in der Hauptzentrale alles andere als kalt ums Herz, als er von den Neuigkeiten hörte. Im Gegenteil, er kochte vor Wut, als er aus dem Bett geholt worden war. Ein toter Wärter und ein Ausbruch in dem gefährlichsten Zellentrakt seines Instituts. In seinem Institut, unter seiner Führung - Ein Affront sondergleichen! Ruhelos ging er mittlerweile auf und ab, dirigierte seine Befehle, fluchte vor sich hin und versuchte dabei seine Gedanken zu ordnen.

"Dieser alte Sack! Ich hätte ihn schon vor Jahren in Pension schicken sollen, verdammt nochmal!". Ohne es zu bemerken hatte er nebenbei den schweren Brieföffner von seinem Schreibtisch genommen. Ehe er darüber nachdachte, flog Derselbige auch schon durch den Raum und landete nur Zentimeter neben dem Kopf eines seiner speichelleckenden Untergeben. Dieser zuckte zusammen, versuchte jedoch die Fassung zu wahren. "Zieht alle Wärter zusammen, die verfügbar sind. Die ranghöchsten Diensthabenden sollen Suchtrupps einteilen und anführen. Schwerste Bewaffnung! Und schafft mir Vlad herbei! Sicher ist sicher... auf was wartet ihr?! BEWEGUNG!"

Wortlos verschwand sämtliches Personal. Er blieb allein in der Dunkelheit seines Raum zurück, der nur spärlich vom Schein einer Schreibtischlampe erhellt wurde.

Er schlurfte zu seinem Kleiderschrank. In ihm brodelte es noch immer, während er seinem wulstigen Körper in den Anzug verhalf. Er hatte das ungute Gefühl, dass es noch eine lange Nacht werden würde. Er wusste, er musste schnell handeln.

> Oh baby, I was born with a fast fuse / I got no time to love <

13.7.09 22:36
 


bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Janea / Website (14.7.09 22:20)
Oh man, ist das spannend. Ich hasse es ja, wenn Sachen mitten drin a... Tja, da kannst du mal sehen wie das ist! Bitte so bald wie möglich weiter schreiben! Es ist großartig!

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