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The West Rider Pauper Lunatic Asylum - Teil IV

Chaos. Viele klare Gedanken konnte Sonny nicht fassen, seitdem die Sirene dröhnte. Doch zu einem logischen Schluss war auch immerhin sein verkümmerter Geist, der eigentlich schon lange jedweder Logik entbahr, in den letzten Minuten gekommen. Es herrschte Chaos.

Aus allen Gängen hallten die schweren Schritte der Wärterstiefel ihnen entgegen. Zu Beginn waren sie nur vereinzelt und entfernt zu hören, mittlerweile waren sie jedoch zu einem bedrohlichen Grollen herangeschwollen, der sie langsam aber sicher von allen Seiten einzunehmen drohte. Und doch waren sie noch keinem Wärter, keinem Wachtrupp in die Arme gelaufen. Sonny wusste, dass es an dem Jungen liegen musste. Behände bewegte er sich seit ihrem Aufbruch mit geschärften Sinnen und einer Leichtfüßigkeit durch die Gänge, die eher an ein wildes Tier, als an einen kleinen Jungen erinnerte.

"Komm schon Sonny, Bewegung, Bewegung!". Er lachte schrill auf. Es schien ihm sichtlich zu gefallen, gejagt zu werden. Dabei versprühte er stets diese unheimliche Aura, die Sonny schon wahrgenommen hatte, als er ihn zum ersten Mal gesehen hatte. Sie tropfte förmlich aus jeder einzelnen Pore der kleinen Gestalt und legte sich wie eine Schlinge um Sonnys schlanken Hals. Er hatte das Gefühl, als könnte er sie fast sehen, so stark verspühte er ihre Präsenz. Wie ein Hund an der Leine. Das war der erste Gedanke, der ihm dabei durch den Kopf geschossen war.

> Oh, come get me, with your files don't arrest me <

Zielsicher koordinierte Dread seine schlanke Gestalt durch die schwarz-weiß gemusterten Gänge und schien stets im Voraus  zu wissen, welche Abzweigung zu nehmen war, um seinem Ziel ein kleines Stück näher zu kommen. Der Andere war das Ziel. Also machte der Schachspieler schnell und behände seine Züge. Links, rechts, links. Bis selbst er bei der nächsten Gabelung inne halten musste. Die Schritte und die Stimmen waren nun näher als je zuvor.

"Was ist los?". Sonny keuchte. Er spürte sein Haar, wie es in langen, nassen Strähnen an seinem Oberkörper klebte.

"Shhht. Du hörst es doch auch, oder? Sie sind nah dran uns zu finden. Zu nah...als das wir..." - Sonny ließ einen gurgelnden Schrei der Panik aus seiner Kehle empor steigen. Wie aus einer Trance erwacht, sah er sich um. Die Worte hatten etwas in ihm wachgerüttelt. Sie sind nah dran. ZU nah. Aus allen Richtungen kamen die Geräusche wie eine bedrohliches Donnergrollen nun auf sie zu. Was hatte er nur getan? Wie konnte er diesem Balg bloß so willenlos gefolgt sein? Die Schritte kamen näher. Er wollte weg, nur noch weg. Er wollte nicht, dass die Welt wieder hinter einem roten Schleier versinkt, doch er legte sich langsam  und unerbitterlich über ihn. Er setzte zum Spurt an.

"Stehenbleiben". Dreads Stimme klang kalt und gebieterisch. Zumindest so gebieterisch, wie ein Junge, der den Stimmbruch noch vor sich hatte, eben klingen konnte. Doch Sonny erstarrte schlagartig, denn er rang nach Luft und betastete hastig seinen Hals. Dread hatte die Schlinge - seine Gedankenschlinge - fester gezurrt. Sonny sackte abermals zusammen und betrachtete zitternd und voller Ehrfurcht die kleine Gestalt. Er hatte ihn vollkommen unter Kontrolle. Zumindest fast, denn das angespitzte Stuhlbein hielt er immer noch fest umklammert in der linken Hand. Es kostete ihn sein letztes bisschen Willenskraft.

"Du hast Glück, dass du einzigartig bist, Sonny. So einzigartig, dass ich dich am Leben lassen muss ... und jetzt pass auf.". Er streckte die Arme aus und bildete mit seinem Körper eine Form, die entfernt an ein menschliches Kruzifix erinnerte. Die Wärter waren jetzt keine 100 Meter mehr von ihnen entfernt. Um die Ecke konnten sie bereits die Schatten der herbeieilenden Truppen erkennen. Egal was er tun wollte, er musste es jetzt tun.

Dread kniff die Augen zusammen und seine Lippen formten tonlose Worte. Die Luft knisterte, während eine sonderbare Hitze Sonny langsam umhüllte. Die Wärter waren jetzt direkt vor ihnen. Sonny konnte sie sehen. Drei aus dem Gang rechts von ihnen, Fünf weitere aus dem Gang zu ihrer linken und Sieben aus dem breiten Gang vor ihnen. Schritt für Schritt bahnten sie sich ihren Weg, die Vibration war auf dem Boden mittlerweile deutlich zu spüren. Immer näher, immer stärker. Soweit bis plötzlich ... nichts. Das Wachpersonal schaute sich um. Sie standen in der Mitte der Gabelung, standen teilweise IN den Körper von Sonny und Dread. Die Wachen sahen sie nicht, nahmen ihre Präsenz nicht einmal im entferntesten wahr. Sie schienen durch sie durchzugleiten. Wie Geister.

"Sektor 3, 9 und 5 sind sauber."

"Sektor 1, 4 auch. Er ist wie vom Erdboden verschwunden."

"In Sektor 7 hat er einen weiteren Häftling aus seiner Zelle befreit. Die Kameras haben um 2:36 Uhr aufgezeichnet, wie er eine Zelle geöffnet hat. Danach haben auch die Kameras keinerlei Bilder mehr geliefert. Wir müssen jedoch davon ausgehen, dass Häftling 6169 ebenfalls mit ihm unterwegs ist."

"Verdammte Scheiße. Der Chef tobt bestimmt."

Sonny bemerkte die schwere Bewaffnung der 15 Männer und erschauderte. Sie hatten nicht den Befehl festzunehmen, nein, sie sollten aufspüren und töten. Er schloss die Augen und verharrte weiter in seiner Position. Etwas anderes blieb ihm auch gar nicht übrig, denn Dreads Macht hielt ihn immer noch gefangen. Außerdem mochte er den Gedanken nicht, dass ein gutes Dutzend bis an die Zähne bewaffneter Männer durch seinen Körper durchmarschierte.

Ein wenig später hatten sich die Wärter wieder aufgeteilt und rückten ab. Dread verharrte noch einen Moment angespannt in der Kruzifix-Haltung, bis die Schritte nur noch dumpf aus weiter Ferne zu hören waren. Seine Arme sackten nach unten und baumelten leblos an ihm herunter. Die Hitze und das Knistern verschwanden genauso schnell, wie sie gekommen waren.

Etwas erschöpft grinste Dread breit über beide Ohren. "Na, wenn das mal kein Spaß war. Der Fettsack muss schon etwas mehr bieten, um uns aufzuhalten, hm? Naja ... lass uns weiter! Da lang!"

> So come get me, all you fuckers can't touch me <

15.7.09 22:40
 


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