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The West Rider Pauper Lunatic Asylum - Teil VI

Keuchen hallte von den Wänden wider. Sonnys Keuchen. Wie lange trieb dieser kleine Teufel ihn nun schon durch dieses Labyrinth aus Gängen und schwarz-weißen Kacheln? Nach dem Schweiß, der seinen Rücken hinab rann, zu urteilen, musste es schon eine ziemliche Weile gewesen sein. Denn auch wenn er sein Zeitgefühl schon vor langer Zeit an der Tür dieses Gefängnisses abgelegt hatte, gab sein Körper ihm unmissverständlich zu verstehen, dass dieses höllische Katz-und-Maus-Spiel schon weit über die Grenzen des gesunden Menschenverstandes hinausging.

"Beeilung!", wieder zog sich die unsichtbare Schlinge um seinen Hals fester zusammen. Sonny stöhnte auf. Sie nahmen noch eine leichte Rechtsbiegung und plötzlich wurde ihm klar, dass es nicht mehr lange dauern würde, ehe die Jagd ein jähes Ende nehmen würde. Denn der Gang war eine Sackgasse und die Tür am Ende musste wohl Dreads Ziel sein. Die 'andere gequälte Seele', hatte er das nicht gesagt?  Doch Irgendetwas stimmte mit Dread nicht. Er wurde ... unruhig. War es das? Die Veränderung schlich sich nach und nach in den letzten Minuten ein. Seine Bewegungen waren nicht mehr von der maschinenhaften Perfektion und Gleichmäßigkeit wie zu Beginn. Sie glichen immer mehr denen eines getriebenen Hundes. Ruckartig, argwöhnisch und getrieben von Angst.

Noch ehe sie die Tür erreicht hatten, wurde der Gang hinter ihnen in einen Feuerball getaucht und einen Wimpernschlag später schoss dicht neben Dread eine Kugel in die Kacheln. Die Splitter der Keramikfliesen schnitten in seinen linken Knöchel und durchzogen das reine Weiß mit einem dünnen Faden aus Blut.  Sonny war überrascht, denn es machte dieses 'Etwas' neben ihm ein klein wenig menschlicher.

Dread zischte auf.

> Spending our time in the lion's jaw <

"Steh ... stehen bleiben! ... Alle Beide!", zitternd hielt der Mann seine Waffe mit der rechten Hand fest umschlossen und versuchte sie mit der Linken einigermaßen ruhig zu halten. Er war nie ein Freund von Schusswaffen gewesen und hatte sie - bis zu dieser Nacht - noch nie im Ernstfall gebrauchen müssen.

Mit Mühe und Not gelang es dem guten alten Hutch einigermaßen die Fassung zu bewahren. Nicht nur wegen der Waffe, sondern auch wegen dem, was er da sah. Auf den ersten Blick einen drahtigen Mann mit langen pechschwarzen Haaren aus denen Augen hervorstachen, die aus purem Eis gemeißelt zu sein schienen. Neben ihm eine kleinere Gestalt, ein Junge, der noch nicht ganz Teenager, aber auch nicht mehr Kind genannt werden konnte. Als Hutchinsons Blick weiter glitt stellte er fest, dass der Junge barfuß war und sich eine kleine Blutlache unter seinem linken Fuß bildete.

Und auf den zweiten Blick? Er sah die violetten Fußspuren am Boden aufglimmen, sie führten zu den beiden Häftlingen. Aber das war noch nicht alles. Oh nein. Er sah eine dunkle violette Wolke, die den Jungen umhüllte. Eine Aura, die bedrohlich zu pulsieren schien und die sich ebenfalls begierig um den Hals seines Begleiters schlang.

"Eine schöne Nacht um auf die Jagd zu gehen, nicht wahr Hutchi?", es war der Junge, der den Moment der Anspannung durchbrach. Der dienstälteste Wärter schauderte, obwohl er das Donnern vieler Stiefel bereits dicht hinter sich hörte und seine Kollegen fast zu ihm aufgeschlossen hatten.

"Halt's Maul! Dreh dich langsam mit dem Gesicht zu mir um Junge. Und keine Spielchen!"

Zu Sonnys Erstaunen tat Dread wie geheißen, drehte sich langsam um, während das kleine Blutrinnsal immer noch nicht zum Stillstand gekommen war und entblößte dabei ein Gesicht von kindlicher Unbekümmertheit. 

"Game Over Sonny, sie haben uns."

"Was?!"

"Siehst du die Kette um seinen Hals? Sie macht meine Fähigkeiten - macht mich - nutzlos. Leider. Im Angesicht der Vergessenen bin ich eben nicht viel mehr als ein kleines Blatt inmitten eines Wirbelsturms."

Sonny konnte nicht viel mit dem Anfang, wovon sein kleiner Weggefährte sprach, aber den realen Sturm, der auf sie zukam, sah er sehr wohl kommen. Das Donnern der Stiefel und das Grollen der Waffen, die nach und nach durchgeladen wurden. DAS verstand er nur zu gut, oh ja.

Mehr als ein Dutzend Gewehrläufe zeigten auf sie. Sie waren in der Falle.

> Oh take aim now! / Can you see me in the way now <

Hutchinson konnte immer noch nicht ganz erfassen, was genau dieser Junge vor ihm war. Das ging weit über den Horizont seines Verständnisses hinaus. Aber er musste diese Show nun so schnell und sicher wie möglich über die Bühne ziehen.

"Ihr Beide, auf den Boden legen. Sofort!" Stumm gehorchte das ungleiche Paar. Doch der Junge verdrehte seinen Hals auf unnatürliche Weise so, dass er auch weiterhin Hutchinson anstarrte.

"Hey Hutchi. Wie geht's dem Jungen ... diesem Demian? Sonny hat ihn wohl ganz schön auseinander genommen, hm?"

"Ruhe, habe ich gesagt!"

"Naja, was soll man schon erwarten von einem alten Sackgesicht, der ja nicht einmal nachts verhindern kann, dass die gute alte Blase ihren Dienst quittiert?"

Hutchinsons Antwort war bleiern und sein Revolver verschlang das schrille Lachen des kleinen Teufels. Anstelle der kleinen Wunde des Fußgelenks klaffte nun ein beträchtliches Loch. Aus dem Rinnsal wurde ein reißender Fluß aus Blut. Dreads Augen verharrten immer noch auf denen des Wärters, doch sein Gesicht war zu einer schmerzhaften Grimasse verzogen. Er kämpfte sichtlich um seine Fassung. Ohne seine Tricks war er nicht viel mehr als das, was sein Antlitz einem Glauben lassen mochte. Ein Kind.

"Noch ein Wort und ich puste Dir den Schädel gleich hier und jetzt weg!"

Sonny zitterte am ganzen Leib. Er wollte nur noch, dass es aufhört. Er wollte nicht hören, dass er jemanden getötet hatte.  Und er wollte mit Sicherheit nicht hören, wie jemandem einem anderen den "Schädel wegpustet".

Mittlerweile hatte die Blutlache beträchtliche Ausmaße angenommen. Dread konzentrierte sich und seine Lippen formten ein Wort, das nicht viel mehr als ein Flüstern war. "Danke"

"Wofür?"

"Für mein ... Blut."

Noch ehe er das letzte Wort ausgesprochen hatte, wurde aus dem kleinen purpurroten See am Boden eine lebendige Säule. Ein Tentakel, das sich aufbäumte, sich wand und zuckte. Dreads Augen bestanden nur noch aus Weiß - zumindest war nichts anderes darin zu sehen - und sein Körper schien sämtliche Spannung verloren zu haben. Ganz so, als ob er seinen Körper wie eine Hülle abgestreift hatte, dachte Hutchinson.

Einige Wärter eröffneten panisch das Feuer, doch die Kugeln glitten einfach durch die fremdartige Gestalt aus Blut hindurch, sodass auch bald der letzte der Wachmannschaft die Versuche als sinnlos abtat. Das Tentakel schoss in Richtung der Tür, die Dread als Ziel seiner Reise auserkoren hatte. Eine rudimentär geformte Klaue riss den massiven Riegel der Tür ab und die Tür schwang langsam auf.

> And it's a nice show, the ones we perform / Performing it day and night / Night let me be free <

10.11.09 21:23
 


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