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Holzhammer als Missbrauch?

Es ist kalt draußen, bitterkalt. Es schneit, regnet oder friert, auch im neuen Jahr. Vielleicht tut es das bei Euch alles sogar gleichzeitig. Warum also nicht die Zeit mit einer kleinen Geschichte aus wärmeren Tagen und purer Langeweile vertreiben? Ja? Na dann ... action!

Vor zehn Minuten war ich noch so aufgeregt wie ein kleiner Schuljunge, der kurz davor steht, seine Zuckertüte endlich aufmachen zu dürfen. Der Mann vom Paketdienst hiefte zu dem Zeitpunkt einen großen und länglichen Pappkarton über meine Türschwelle. Mit zittriger Hand quittierte ich schnell den Empfang und schleifte das Paket, eine kalte Flasche Cola und mein Handy in den Garten. Voller Vorfreude rief ich Marius an und zwitscherte ins Telefon, "Das Fußballtor ist endlich da!". Er wollte sich gleich auf den Weg machen und mir helfen. Es war der perfekte Samstagvormittag eines Julis, 25 Grad, strahlend blauer Himmel. Das warme Gras kitzelte mich zwischen den Füßen, als ich das Paket aufriss und mir ein Wust aus zwei Dutzend weiß bemalter Stangen in unterschiedlichsten Längen und Winkeln, ein großes Paket kleiner Metallbolzen sowie ein Netz und ein kleiner Gummihammer entgegenkamen.

Nun sitze ich etwas verloren zwischen dem gesamten Sammelsorium an Teilen und frage mich, was die mächtigen Torbauer mit so einem Kleinteilquatsch bezwecken wollten. Nicht gerade besonders aufbaufreundlich, wie ich finde. Vielleicht so eine Art Initiationsritus? Nur wer sich als würdig erweist und das Rätsel der hundert Teile löst, darf den heiligen Rasenballsport ausüben, oder so.

Naja, es hilft wohl nichts, am besten ich fange schon mal an, denn Marius braucht sicherlich noch einige Zeit. Typischer Lahmarsch. Ich krame die Beschreibung heraus und überfliege sie. Englisch auf Seite 1, Französisch auf Seite 2 und Dutch auf Seite 3. Dutch? Holländisch? Und wo ist die bitteschön die Sprache der Lyrik, Literaten und Gelehrten vertreten, hm? Also nochmal genauer hinschauen ... ha! Nix Dutch, sondern Deutsch.  Wohl eine kleine Verwechslung der Übersetzer. Sowas passiert ja ab und an bei multilingualen Beschreibungen. Ich fange also genauer an zu lesen:

"STECKEN ZUR BEGRÜNDUNG DIE STIFTE IN DIE BEZUGSGRÖßE DER ROHRE ALS VERANSCHAULICHTE."

Achso. Verzweifelt wandert mein Blick auf die Zeichnung. Dort wird ein kleiner Hammer gezeigt, der einen der Bolzen zwischen die Verbindungsteile der Rohre hämmert. Ich fange also an die Rohre ineinander zu stecken und hämmere brav die Bolzen fest. Das Ergebnis nach fünf Minuten schweißtreibender Arbeit ist immerhin im Ansatz einem Tor ziemlich ähnlich. Mal abgesehen davon, dass es windschief ist und ich es gegen meinen Gartenzaun lehnen muss, damit es nicht bei dem kleinsten Windstoß umfällt. Richtige Praktiker finden eben immer eine Lösung! Doch wie befestige ich mein Fußballtor-Skelett so, dass es zumindest nicht schon von den Schallwellen des nachbarlichen Rasenmähers zum Einsturz gebracht wird? Mal sehen, welchen Rat mir meine Beschreibung gibt:

"ANSETZEN DIE ANHÄNGEN BENUTZE 16 ERKLECKLICHE STIFTE. STELLUNG HERUM DIE ANHÄNGEN BEZUGSGRÖßE ALS VERANSCHAULICHTE. VERMERKEN ZU SICHERN ANHÄNGEN ZU BEGRÜNDEN ALLEMAL ANKER ZWEI STIFTE ZUSAMMEN (ALS GEWIESEN) AM ANKER ZACKEN ANGEBEN. SICHTERN STIFTE BENUTZEN HAMMER."

Ok, es reicht. Gesunder Menschenverstand hat mich vielleicht bis hier hin gebracht. Hat mich diese bescheuerten Rohrverbindungen zusammenhämmern lassen und mich bis zu diesem diabolischen Kapitel gebracht. Aber ich bin kein gottverdammter Architekt, der gerne rätselt, wie man die Statik eines Fußballtores mit ERKLECKLICHEN STIFTEN herstellt. Wieder einmal konsultiere ich die Zeichnung und kriege eine leichte Vorstellung von dem, was ich eigentlich machen muss. Ich nehme also die "erklecklichen Stifte", schlage sie mit drei Zentimeter Abstand von der kürzlich zusammengesteckten "Bezugsgröße" und in einem Abstand von ca. 15 Zen2timetern voneinander in meine frisch gemähte "Begründung. Ganz genau so, wie es mir aufgetragen wurde.

Ich verschnaufe kurz, nehme einen tiefen Schluck aus der Colaflasche, wische mir den Schweiß von der Stirn und betrachte mein Werk. Ein erfrischender Luftstoß weht mir ins Gesicht, das Tor kippelt leicht nach hinten und kracht vor meine Füße. Ich seufze, nehme die Beschreibung zur Hand und sehe was ich zuvor nicht gesehen habe. Auf einem kleinen Bildausschnitt in der rechten unteren Ecke hämmert der kleine tapfere Gummihammer die Bolzen in eine hakenähnliche Form.

Ich stelle das Tor also wieder auf, "vermerke" dieses mal, dass die Bolzen in der "Begründung" "allemal" in eine kleine gebogene Form gehämmert werden müssen, um anständig "ankern" zu können. Vielleicht hätte ich diese Kleinigkeit auch schon früher berücksichtigen können, wenn diese gottverdammte Gebrauchsanweisung nicht von legasthenischen Waschbären geschrieben worden wäre!

Eine halbe Stunde später breche ich nach getaner Arbeit und schmerzender Hand auf meinem Rasen zusammen. Und tatsächlich, es scheint recht stabil zu stehen. Selbst der angelassene Rasenmäher meines kauzigen Nachbarn lässt mein geschaffenes Meisterwerk völlig kalt. Importierte Markenware trifft eben auf deutschen Sachverstand. Triumphierend recke ich eine Faust in den Himmel und brülle, "Es ankert, es ankert!". Mein Nachbar schaut verwirrt zu mir herüber, ich bleibe noch einen kleinen Moment liegen, genieße meinen Erfolg und lache in mich hinein. Wieder nehme ich die Beschreibung zur Hand, um mich dem Höhepunkt meiner Schaffensphase zu widmen:

"ANSETZEN DIE SOLL ZUR BEGRÜNDUNG BEIM FASERIGER DIE DEHNBAR SCHLEIFEN HINDURCH DIE BODEN ÖSEN IND BEFESTIGEN ZUR BEGRÜNDUNG MIT KLEIN STIFTE. SICHERN STIFTE BENUTZE HAMMER. GARANTIEREN DIE STIFTE BIST STIEßT AUSWAHL HINEIN DIE BEGRÜNDEN AM EIN ANGELN."

Ich schlurfe nahe vorbei am Rande des Wahnsinns zurück zum Karton. Begutachte das Netz, das sich genüsslich in der Sonne kräuselt. Ich packe es, entreiße es der schachteligen Ruhe und zausel es auseinander. Umgarnt damit stapfe ich zurück zu dem verdammten Sommernachmittagsalptraum, den ich mir da ins Haus geholt hatte. Jetzt wird kurzer Prozess gemacht! Humorlos hämmere ich die Ösen des faserigen Etwas unter die gebogenen Bolzen. Nimm das,  du Miststück!

Fertig.

Fertig? Wirklich? Ich kann es immer noch nicht glauben. Stolz betrachte ich das Werk meiner sommerlichen Schaffensphase, während ich mich ins Gras plumpsen lasse. Na, das soll mir mal einer nachmachen. Ich will mich ja nicht selbst loben, aber ich muss schon zugeben, dass - "Aaaaaaaaaachtung!"

Ball. Zisch. Krach. Marius schallendes Gelächter.

Dieser Armleuchter hat es doch tatsächlich geschafft die gesamte Arbeit des Vormittags mit einem stramm geschossenen Freistoß in Trümmer zu zerlegen. Na warte. Dich haue ich in meine Begründung bis deine dehnbaren Schleifen ösen und deine erklecklichen Stifte am Anker zacken, Freundchen!

4.1.10 20:59
 


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