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Der Erste im Rattenrennen

Ich schiebe das Schreiben - und insbesondere dieses Thema - schon lange vor mir her. Teils einem permanenten Zeitmangel, teils der Tatsache geschuldet, dass es mich in Gedankengefilde bringt, die ich eigentlich ruhen lassen möchte. Aber das Studium ist nun beendet und es wird höchste Zeit einmal zurückzublicken, auch wenn es bedeutet, die eine oder andere Leiche im Keller zu streifen.

Vor gut zwei Wochen war es endlich soweit, die Zeugnisübergabe als finales Spektakel eines gut 30-monatigen Arbeitsmarathons. Hitzegeflimmer, feine Anzüge und die obligatorischen Papptellerchen und Sektgläschen vom Buffet beherrschten die Szene. Stilvoll umgarnt wurde die Veranstaltung dabei durch den unbestreitbaren malerischen Hintergrund des Schlosses samt erblühender Parkanlage. Alles in allem eine schmucke kleine Verabschiedung und ein Grund zur guten Laune für alle Beteiligten. Und ja, auch ich war guter Dinge, insbesondere durch den Abschluss als Zweitbester meines Studiengangs, den ich in Begleitung von A (der schönsten Frau des Tages) ziemlich stolz in Empfang nahm.

Szenenwechsel. Nach dreiwöchigem Urlaub, in dem ich die vergangenen Strapazen mehr oder weniger gut abstreifen konnte und wieder in meiner Wohnung ankam, wartete der Arbeitsvertrag meines Ausbildungsunternehmens auf mich. Gute Konditionen, tolles Arbeitsumfeld, kein Traumvertrag aber schon ziemlich solide für einen Berufseinsteiger. Ich unterschrieb. Damit war ich der erste der "Studierenden" einer lang vergangenen Clique junger Träumer, der im Arbeitsleben angekommen war. Der Erste oben auf dem Gipfel.

Fassen wir also kurz zusammen was in den letzten 2 1/2 Jahren geschehen ist: kaufmännische Ausbildung gut abgeschlossen, Studium noch besser absolviert, einen Arbeitsplatz mit tollen Kollegen und dazu einen wirklich guten Freund gefunden. Die Krönung des Ganzen ist jedoch A, mit der ich eine wirkliche Traumfrau in mein Herz schließen durfte. Man könnte sich nun zu der Aussage hinreißen lassen, dass mich Manche als "Gewinner" betrachten.

Gewinner? Falsch, nicht im Geringsten. Das ist nicht mehr als der glückliche Verlauf eines Getriebenen. Einem, der die Flucht nach Vorne antrat, weil er schon früh lernen musste, was es bedeutet, durch nahestende Menschen enttäuscht zu werden. Aber Enttäuschung bedeutet auch gleichzeitig Unzufriedenheit und diese Unzufriedenheit führte schließlich einen 16-jährigen Jungen zu der Erkenntnis, dass er sich einfach nicht mehr enttäuschen lassen würde. Weder von Anderen, noch von sich selbst. Dieses Denken wurde seine Maxime und dieser Junge war der Beginn von mir.

Sicherlich verlief dieser Plan nicht immer gänzlich ohne Rückschläge und einer dieser etwas jüngeren warf mich sogar ziemlich heftig aus der Bahn. Aber ich hielt stetig Kurs, musste Kurs halten. Denn wenn man sich einmal dazu entschließt, Enttäuscheungen nicht mehr hinzunehmen, sortiert man die Menschen, die einem Schmerzen und Ärger bereiten einfach aus. Zack - fauler Ast ab! Keep it small clean and simple, baby!

Dieses Credo mag unfair und vielleicht sogar feige sein, denn es negiert den Anspruch auf eine zweite Chance. Doch es funktioniert - und zwar konsequent gut. Vielleicht bin ich dabei mit einigen Menschen zu hart ins Gericht gegangen, doch diese Härte kam stets mit Freundlichkeit und Respekt einher. Heimlich, still und leise wurden so Störenfriede rausgekehrt. Und manchmal - wenn auch selten - wurden kleine Ausnahmen gemacht. Denn die Angst, den Berg an zurückgelassenen Menschen, alten Freunden, Liebschaften und Bekannten noch größer werden zu lassen, sitzt selbstverständlich stets mit im Nacken.

Ich für meinen Teil verlasse mich jedoch lieber auf meine Stärken und auf die Menschen, die keine zweite Chance benötigen. Das mag manchmal etwas einsam sein, doch es ist mein Weg - und auf diesem finde ich ab und an Mitstreiter, die es wirklich Wert sind innezuhalten und sie auf meine Reise mitzunehmen.

Das alles hört sich ein wenig traurig und vielleicht auch etwas aufgesetzt an. Man könnte Denken, ich beklage mich auf hohem Niveau. Doch das Ganze soll Euch, meinen werten Lesern, nur eines vor Augen führen: Jeder Mensch kämpft mit seinen Dämonen und Diejenigen unter Euch, deren Dämonen besonders große und bösartige Schatten werfen, haben auch gleichzeitig die einmalige Chance, das Beste aus ihrem Leben herauszuholen und die Anderen zu überragen.

Wehe dem, der wütende Menschen zurücklässt, denn es könnte sein, dass sie als Dämonenbezwinger zurückkehren und selbst große weite Schatten werfen.

12.7.10 21:33
 


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