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Verschlimmbesserung, Verbessschlimmerung?

Manche lieben sie, manche hassen sie und manch Einem gehen sie schlicht und ergreifend am Allerwertesten vorbei. Obwohl, wenn man das Ganze nüchtern betrachtet, gehen sie wahrscheinlich dem Gros der Menschheit am kollektiven Hinterteil vorbei. Das liegt aber auch hauptsächlich daran, dass sie keine Massentauglichkeit unter Beweis stellen müssen oder gar wollen, sondern sich mehr als Ausdruck der Individualität verstehen. Ein Szene-Ding eben. Und als solches kann die gute alte "Remix"-Platte mittlerweile auf mehrere Jahrzehnte Erfolgshistorie zurückblicken, in denen sie unter anderem als Lebenstropf für Disco, Hip Hop und Dance diente.

Heutzutage findet sich der Remix meistens als nettes Beiwerk auf irgendeiner B-Seite wieder und versinkt in neun von zehn Fällen sowieso in der Bedeutungslosigkeit. Häufig auch von mir als Verschlimmbesserung abgetan, gibt es wenige Remix-Stücke oder gar ganze Alben, die mich bisher wirklich begeistern konnten. Aber ab und an sticht eben doch ein wahres Juwel aus dem Mischmasch-Misthaufen hervor, der es wert ist, nähere Betrachtung zu finden. Und erst kürzlich flatterte ein solches Paradebeispiel an Kostbarkeit herein, das aufgrund seiner Qualität und Finesse schlicht und ergreifend das Potenzial hat, mehr als nur ein Geheimtipp zu sein.

Kein geringerer als der sanftmütige, überbärtige Singer-Songwriter William Fitzsimmons hat sich just die Ehre gegeben und ein Remix-Album herausgebracht. Doch wer jetzt denkt, dass es sich hierbei um bessere B-Seiten handelt, die mit ein paar Akustikversionen, Rough Mixes oder Liveauftritten samt orchestraler Unterstützung daherkommen, der hat sich gewaltig getäuscht. Denn der US-Amerikaner, der ansonsten eher die leisen Töne anschlägt, beweist auf dem Remix-Bastard "Derivatives" nicht nur Humor, nein, er gibt auch gänzlich zerlegte Versionen seiner Originale zum Besten.

Natürlich gibt es auch auf diesem Tonträger die gewohnte Fitzsimmon'sche Kost. Repräsentativ dafür ist neben "So This Is Goodybe" (als netter, jedoch unspektakulärer Ohrschmeichler) auch die Schulorchester-Neuauflage von "You Still Hurt Me". Doch das war es dann auch schon mit dem Gewohnten.  Denn auf der Haben-Seite der Überraschungen kann der Songwriter neben der Coverversion des Katy Perry-Songs "I Kissed A Girl" noch satte vier weitere außergewöhnliche Remixe altbekannten Liedguts für sich verbuchen. Insbesondere sind hier die Pink Ganter-Remixe "So This Is Goodbye" und "Goodmorning" zu nennen, die auf vorgeebneten, musikalischen Bahnen wandeln und  mit leichten, überraschenden Twists aus artigen und filigranen Popsongs kleine Dance- und Lounge-Nummern zaubern. 

Den eigentlichen Höhepunkt findet der geneigte Hörer jedoch im Mikroboy-Remix von "If You Would Come Back Home". Denn während bei Pink Ganter die Tracks die musikalische Realität eines William Fitzsimmons noch respektieren und nur leicht verbiegen, sprengt Mikroboy sämtliche Schranken, zerschmettert die Welt des Künstlers und setzt die Trümmer zu etwas gänzlich Neuem zusammen. Das Resultat ist die Auferstehung eines elektronischen Meisterwerks, geboren aus einem Pop-Scherbenhaufen. Eine elektrisierende und mitreißende Schönheit, die nicht nur eine prickelnde Gänsehaut, sondern auch das dringende Bedürfnis nach rythmischer Bewegung auslöst.

 

Mit "Derivatives" hat der werte Herr Fitzsimmons ganz eindeutig eine neue Kostbarkeit in seinem musikalischen Repertoire, die sich nicht nur dadurch auszeichnet, das bereits Vorhandene zu verbessern, sondern die leisen Klänge in ihren Grundfesten zu erschüttern, auseinanderzunehmen und so ein Werk zu schaffen, dass den sensiblen Amerikaner in gänzlich neue Dimensionen katapultiert. Ein Geniestreich, der durch seine Andersartigkeit die Massen begeistern wird.

3.11.10 21:42
 


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